Der Solopreneur – Eine Spezies wird besichtigt

7. Juni 2012 08:33

Solopreneur - Analogie zum Musiker“Do IT!” prangt als Titel auf der aktuellen t3n, eine Zeitschrift, die ich übrigens jedem, der in irgendeiner Weise im Online-Geschäft unterwegs ist, wärmstens empfehlen kann. “Do IT!”, als Appell loszulegen, als Gründer, Freelancer oder eben als Solopreneur das eigene Ding zu starten.

Quintessenz des Titels: Nie war es einfacher als heute, ein eigenes Startup auf die Rampe zu schieben.

Ganz in meinem Sinne, wobei “einfach” sicher nicht wortwörtlich zu nehmen ist. Um eine vernünftige Idee, ständiges Dazulernen und jede Menge Arbeit kommt wohl niemand herum.

Das eigene Ding zu starten als One-Man-Show ist auch eine dieser Möglichkeiten, die es vor Jahren in der Form definitiv noch nicht gab.

Dabei muss “One-Man-Show” nicht gleich Freelancer heißen, es kann auch der Solopreneur sein, eine Spezies, die vor allem in englischsprachigen Entrepreneurship-Blogs und -Magazinen immer öfter auftaucht.

Grund genug einmal zu schauen, was es eigentlich mit dieser Art des Gründens auf sich hat.

Wodurch unterscheidet sich der Solopreneur vom klassischen Freelancer?

Freelancer bauen in der Regel auf eine bestimmte Fähigkeit, wie zum Beispiel Design oder Programmierung, mit der sie zeitweise bei verschiedenen Unternehmen anheuern. Der Solopreneur hingegen baut ein eigenes Unternehmen auf. Er beschäftigt sich daher mit den gleichen Aufgaben wie andere Unternehmensgründer auch.

Allerdings baut sich der Solopreneur kein Team innerhalb seines Unternehmens auf, sondern arbeitet mit einem Netzwerk aus anderen Unternehmen, Freelancern oder Solopreneuren zusammen. Sein Unternehmen lebt also von ihm als Gründer und Chef sowie von verschiedenen Partnern, mit denen er kooperiert.

Unabhängigkeit und Gründen mit Komponenten für Solopreneure

Ganz im Sinne des Konzepts Gründen mit Komponenten erschafft sich der Solopreneur also sein ganz individuelles Unternehmenskonstrukt um sich herum.  Aus seinem Netzwerk bezieht er Leistungen, die er für das Funktionieren seines Unternehmens benötigt.

Vom Erstellen seiner Website über das Führen der Buchhaltung bis hin zur physischen Produktion passiert alles, was er nicht selbst in die Hand nimmt, sozusagen ausgelagert. Er selbst hat genug damit zu, all dies zu koordinieren.

Neben den Dienstleistern nutzt der Solopreneur idealerweise Online-Tools, um sein Unternehmen zu organisieren. Einige davon kann er unter anderem im DigitalBetrieb-Baukasten für virtuelle Unternehmen finden.

Der große Luxus, den sich der Solopreneur mit seiner Art des Unternehmenskonstrukts erarbeitet, heißt Unabhängigkeit.

Dabei ist er auf seine Partner unbedingt angewiesen. “Unabhängig sein” darf hier nicht verwechselt werden mit “Alles selber machen”. Ansonsten findet sich der fleißige Solopreneur schnell als Hamster in der eigenen Mühle.

Warum gibt es künftig immer mehr Solopreneure?

Warum ist die Zeit gerade jetzt überhaupt so günstig für Solopreneure, oder auch generell für ortsunabhängig agierende Teams?

Die t3n-Redaktion sieht den Nährboden für solche Arten von Arbeitsmodellen gerade besonders gut, weil sich einfach das Internet als reale “Einkommens- umd Lebensader” für immer mehr Leute etabliert.

Darin entstehen zur Zeit mit Crowdfunding und Crowdinvesting zwei Finanzierungsformen für Online-Startups, die einen wahren Hype abfeiern. Zeige Dich und Deine Startup-Idee der Crowd, also all den kleinen und großen potenziellen Investoren, und lass´ Dein Startup aus der Masse finanzieren. In der Tat wirklich genial.

Wenn man dann nochmal überlegt, welchen Aufwand man ohne Online-Kanal in Sachen Werbung betreiben musste: Printanzeigen gestalten lassen und teuer bezahlen, ganz zu schweigen vom Massenkanal TV. Jetzt lässt sich Werbung wirklich relativ leicht organisieren.

Seien es Adwords, SEO-Maßnahmen Oder Social-Media-Aktionen, die allermeisten Werbemöglichkeiten sind für jedes Budget offen, man kann in den meisten Fällen ausgiebig testen, und vor allem: Der Solopreneur kann alles selbst organiseren.

Welche Geschäftsmodelle eignen sich für Solopreneure?

Skalierbar auf jeden Fall sollte das Geschäftsmodell des Solopreneurs sein. Denn wenn jeder Umsatzzuwachs wie beim Freelancer nur mit mehr Arbeitseinsatz oder mit höheren Preisen erlangt werden kann, stößt man relativ schnell an seine Grenzen.

Und “Solo” muss nicht gleich klein beudeuten. Stattdessen gilt es, die Möglichkeit zu nutzen, Unternehmen unterschiedlichster Größe zu bauen.

Möglich ist natürlich auch, dass ein Freelancer nach und nach zum Solopreneur “mutiert”. Beispiel Webdesigner: Zunächst macht sich dieser einen Namen mit seiner eigenen Arbeit. Macht er das gut, und versteht er  neben seinem Handwerk anscheinend auch für sich zu werben. Und so hat er im Idealfall irgendwann mehr Aufträge, als er selbst abarbeiten kann.

Wenn er jetzt nicht stehenbleiben will, sucht er sich Partner, Leute die ihm bestimmte Teile der Arbeit abnehmen, die ihm assistieren. Auf diesem Wege schafft sich der ehemalige Freelancer sozusagen seine eigene virtuelle Agentur.

Zum Leben reicht dem Solopreneur möglicherweise auch ein relativ kleines Unternehmen in einer Mini-Nische. Relativ naheliegend ist es, sogenannte Nischen-Websites aufzubauen, mit denen man über Partnerprogramme, Google AdSense oder ähnliche Quellen seine Erlöse einfährt. Letztlich macht man dabei eine Art Werbe-Website, und lebt von den Werbeeinnahmen. Das kann in bestimmten Nischen sicher ganz reizvoll sein, erfordert allerdings in jedem Fall recht tiefes Fachwissen in Sachen SEO.

Baut der Solopreneur sein Unternehmenskonstrukt geschickt auf, stößt mit dem richtigen Marketingansatz in schnell wachsende Märkte, so kann er ebenso ein Unternehmen bauen, das von der Größe her normalerweise in irgendwelchen Gewerbegebieten residieren würde.

Dank seiner leichtgewichtigen Organisation kann er es aber vollkommen ortsunabhängig führen, gerade wenn es in erster Linie um digital zu organisierende Arbeit geht. Also: Warum nicht auch mit den Großen pinkeln?

Und: Danke t3n, für die mal wieder schöne Motivation!

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    8 Kommentare

    • Schöner Artikel, hat sich toll gelesen!
      Danke für deine Mühe!

    • Genau mein Thema :) Noch nie war es so gut möglich, selber etwas aufzubauen. Das Gründen mit Komponenten und die Möglichkeiten des Internets sind DIE Chance und bieten beste Voraussetzungen für kreative Köpfe, die etwas bewegen wollen.
      Ich coache Menschen, die für sich etwas verändern wollen. Häufig in Richtung Selbständigkeit, oder wie oben ausgedrückt als Solopreneur. Wenn erst mal die Denkblockade gefallen ist (Wie, selbständig machen? Mit wenig Geld? Das ist möglich?), ist es toll zu sehen, wohin sich Karrieren – besser gesagt: Leben – entwickeln kann.

      • Thorsten Kucklick

        Ja, wer nach Unabhängigkeit strebt und keinen Bock auf Konzernpolitik etc. hat, dem ist ein solcher Weg absolut anzuraten.

    • Hab ich glatt übersehen… klasse Artikel! Es gibt wirklich einen himmelweiten Unterschied zwischen Freelancern und den Entre- bzw. Solopreneuren. Der Freelancer tauscht, wenn er vorher Angestellter war, im Grunde ja nur seinen alten Chef gegen viele verschiedene Chefs aus.
      Idealerweise baut er sich mithilfe seiner Erfahrungen und Reputation ein webbasiertes Business auf, das gut skaliert. Ein bisschen so, wie Peer von SiN das gemacht hat. Persönlich würde ich den Agenturweg vermeiden, das stelle ich mir sehr anstrengend vor.

      • Thorsten Kucklick

        Ich sehe auch die Entre- bzw. Solopreneurschiene als die erstrebenswerte, weil sie einfach mehr Unabhängigkeit bietet.
        Das Agenturmodell kann entweder parallel ganz interessant sein, um den Aufbau des eigenen Startups zu finanzieren, oder eben in der Form, dass man die Agenturleistungen als solche skaliert. Dazu müsste man solche Agenturleistungen aus meiner Sicht modulweise organisieren und weitgehend standardisiert anbieten.

    • Guter Artikel. Ich glaube vielen ist gar nicht klar, wieviele Komponenten einfach verfügbar sind und schlau kombiniert die Zielerreichung stark vereinfachen.

      Open Source Software und angeschlossene Dienstleistungen dürften vielen bekannt sein. Aber auch in der Hardwareentwicklung geht es relativ simpel (kommt natürlich auf das angepeilte Produkt an). Aber von Design und Hardwareentwicklung, Herstellung, Verpackung, Versand und eingesetzter Shopsoftware läßt sich alles so zusammenbauen, dass man es nicht selbst machen muss.

      Wobei dass das Leben nicht unbedingt einfacher macht. Die Verfügbarkeit sagt ja noch nichts über die Zuverlässigkeit des Resultats aus. Koordination und Überwachung sind dann wesentliche Punkte des eignen Unternehmens.

      • Thorsten Kucklick

        Danke für Dein Feedback!
        Da sprichst Du mit der Koordination einen wichtigen Punkt an. ich denke, dem Thema könnte man sich auch nochmal gesondert widmen, wie man am besten alle Tools und Services vernünftig unter einen Hut bekommt und koordiniert, bzw. die Anzahl überschaubar hält.

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