Lean Startup vs. Ultralight Startup

10. September 2012 14:06

Startup-Fachbücher Es ist schon ein kleine Weile her, da hatte ich hier eine kleine Vorausschau auf das neue Startup-Buch “The Ultralight Startup”* von Jason Baptiste gegeben und eine Beurteilung dazu angekündigt. Durchgeackert habe ich das Ding auch längst, und jetzt will ich es auch richtig vorstellen.

Allerdings nicht als einziges Buch, denn ich bin der Meinung, wenn man von “The Ultralight Startup”* spricht, kommt man um das Buch “The Lean Startup”* von Eric Ries nicht herum. Das eine hat für mich eine Menge mit dem anderen zu tun.

Dabei lohnt es sich zu beginnen mit “The Lean Startup”. Here we go…

Lean Startup als fundierte Grundlage

Lean-Startup-Autor Eric Ries scheint sehr gründlich zu sein. Mit wissenschaftlicher Präzision hat er mit dem Lean-Startup-Konzept ein Verfahren entwickelt, das sich sehr verkürzt auf folgende Schritte zusammenfassen lässt:

  • Entwickle ein Produkt mit minimalem Umfang, also eines, das möglichst schnell auf den Markt gebracht werden kann. Er nennt es das “minimal viable product” (MVP).
  • Teste es im Markt mit realen Usern oder Kunden. Beobachte haargenau die entscheidenden Parameter, wie Klickraten, Kauf-Conversions etc.
  • Passe das Produkt an, und teste eine verbesserte Version.

Dabei muss das MVP in seiner minimalen Form keineswegs komplett funktionsfähig sein. Es genügt ein Design, das das fertige Produkt simuliert. Wenn im Backend anfangs noch improvisiert wird, kann es den ersten Kunden in der Regel egal sein.

In dem beschriebenen Zyklus spielen für Ries Ansätze wie Sales Funnel oder A/B-Tests eine große Rolle, die als statistische Zahlenbasis für die Tests und Anpassungen dienen.

Dabei ist besonders wichtig, den Wachstumsmotor eines Startups oder eines Produkts zu identifizieren, also die Parameter, die letztlich entscheidend sind für das weitere Wachstum.

Die reine Beobachtung des Umsatzes zum Beispiel zeigt in vielen Fällen nur eine Art End-Symptom. Umsatzzuwächse sind zwar toll, beweisen aber noch nicht, dass ein Geschäftsmodell besser wird. Verantwortlich für´s Wachstum können eher andere Größen sein, wie Marketingkosten pro Neuanmeldung und/oder Kundenwert.

Ich würde Lean Startup schon als eine Art Standardwerk bezeichnen, denn es enthält nicht nur ein Sammelsurium von Tipps, sondern basiert auf auf etlichen Statistiken und geht sehr in die wissenschaftliche Richtung.

Ab und an schießt Ries zwar für meinen Geschmack über´s Ziel hinaus, wenn er das Konzept neben Online-Startups auf diverse andere Felder ausweiten will, oder wenn es allzusehr statistisch wird, grundsätzlich lohnt sich die Lektüre aber auf jeden Fall, wenn man neue Produkte oder Online-Projekte launchen will.

Ultralight Startup gibt Praxistipps

Wie sieht es nun mit “The Ultralight Startup”* aus?

Jason Baptiste, Autor des Buches, hat “Lean Startup” gelesen – und zwar bevor er sein Buch an den Start gebracht hat.

Das soll keinesfalls heißen, Baptiste hätte abgekupfert, aber in gewisser Weise baut er auf dem Lean-Sartup-Ansatz auf. Und zwar tut er das, indem er den Ansatz in der Praxis mit dem eigenen Startup umsetzt und daraus lauter praktikable Tipps ableitet, die für sich genommen meist weniger strategisch sind als operative Todo´s für den Launch neuer Produkte.

Baptiste zeigt beispielsweise konkrete Vorgehensweisen auf, wie man die ersten Kunden gewinnen kann. Dazu illustriert er jede Strategie jeweils mit einem realen Startup als Praxisbeispiel. Dropbox ist eines dieser Beispiele, mit dem die Referral-Programm-Strategie erklärt wird.

Wie zuvor Eric Ries plädiert auch Baptiste für die Devise “Möglichst schnell launchen!”, um reales User-Feedback zu erhalten, um Kunden zu gewinnen, und damit die ersten Euros in der Kasse klimpern.

Die Akquise von externem Kapital kann dagegen ziemlich zeitaufwändig werden. Insgesamt kommen die wenigsten Startups für den kompletten Prozess vom Businessplan bis zur Freigabe des Kapitals durch den VC mit weniger als sechs Monaten aus. Schnelller geht´s vielleicht vom Crowdinvesting, Zeit und Arbeit muss aber auch in diese Art der Kapitalbeschaffung gesteckt werden.

Deshalb ist für Baptiste der schnelle Launch immer die bessere Alternative, so er ohne externes Geld machbar ist. Das Venture Capital kann dann im nächsten Schritt reingeholt werden, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:

  • Der Proof of Concept ist erbracht. Das Geschäftsmodell funktioniert also.
  • Es fließen Umsätze (was meist mit dem Proof of Concept einhergeht). So ist man gegenüber den VCs deutlich unabhängiger und in besserer Verhandlungsposition.

Leute, die ihr Business per Bootstrapping von Null aufbauen und ohne Kapital oder Branchen-Connections loslegen, bekommen mit “The Ultralight Startup” einen guten Fundus zum Vorantreiben ihrer Projekte.

Fazit

Das Ultralight Startup ist streng genommen kein wirklich eigenes Konzept, was aber nicht heißt, das Buch sei schlecht. Stattdessen greift es wie gesagt die Gedanken von Lean Startup auf und zeigt in einzelnen Schritten, was man als Gründer genau zu beachten hat, wie man konkret vorgehen sollte, um per Bootstrapping sein Startup ins Rollen zu bringen.

Von daher würde ich “The Lean Startup” als das Standardwerk sehen mit seinem fast wissenschaftlichem Anspruch, und “The Ultralight Startup” ist das Praxishandbuch für denjenigen, der nach dem Lean-Startup-Ansatz ganz praktisch loslegen will.

* Affiliate-Links

Ähnliche Artikel:

Teile diesen Artikel mit anderen ...
    Empfehle diesen Artikel bei

    Möchtest du neue Artikel künftig per Email bekommen?
    Dann trage hier einfach deine Email-Adresse ein:
    Hast du irgendwann keinen Bock mehr darauf, kannst du dich jederzeit wieder abmelden.

    Weitere Möglichkeiten, auf dem Laufenden zu bleiben:
    RSS Twitter Facebook

    Tags:

    4 Kommentare

    • Scheint recht ähnlich zu sein wie “$100 Dollar Startup”. Bin gerade mittendrin und finde es ziemlich gut.

      • Thorsten Kucklick

        Ja, es geht schon in die Richtung, was wirklich konkret umsetzbare Tipps bzw. Tutorials angeht. Im Unterschied zum “$100 Dollar Startup” zielt es aber eher auf Startups, die nicht als “Small Business” angelegt sind, sondern auf starkes Wachstum setzen.

    • Hi Thorsten,
      ich habe mir “Lean Startup” zu Gemüte geführt und ich bin wie du der Meinung, dass es sehr hilfreich ist und für (angehende) Gründer als Standardwerk zu sehen ist. Auch wenn es teilweise doch sehr in die Tiefe geht und damit nicht immer leicht zu lesen ist.

      Zum Thema Bootstrapping lese ich gerade “Business Model Generation” von A. Osterwalder – ein super Buch, das an sich schon ein interessanter Business-Case ist: die Autoren haben sich vorgenommen, das Thema “Business-Bücher” neu zu betrachten und haben stark auf Visualisierung gesetzt. Das Buch enthält also viele Bilder/ Zeichnungen und ist dadurch gut zu lesen und leicht verständlich. Sehr empfehlenswert – dazu passend hier ein link zum Autor bei einem interessanten Vortrag http://www.youtube.com/watch?v=jMxHApgcmoU

    Artikel Kommentieren und Mitschnacken


    Weitere Artikel

    • Getting real – Das 1.000-Euro-Startup im Praxistest

      Getting real – Das 1.000-Euro-Startup im Praxistest

      Es  ist ja schön und gut über Geschäftsmodelle und deren Aufbau in allen Facetten zu schwadronieren. Irgendwann muss es aber auch mal wieder raus gehen, an die Front, in die Praxis. Soll heißen: Ich will im DigitalBetrieb nicht nur darüber schreiben, sondern jetzt auch mal wieder selbst ein neues Projekt auf die Schiene setzen. Wie ich die Sache im Einzelnen aufbaue, und wie es in den nächsten Monaten vorangeht, will ich hier im Blog begleitend berichten. Worum geht´s im neuen [...]

      Weiterlesen... →
    • Wie Du Deine Ortsunabhängigkeit optimal nutzt & die besten Locations findest

      Wie Du Deine Ortsunabhängigkeit optimal nutzt & die besten Locations findest

      Dies ist ein Gastbeitrag von Katja Andes. Katja ist Gründerin von Sunny Office, einer Plattform für Gründer, Freelancer und Kreative, die zeitweise an schönen Orten außerhalb von Städten gemeinsam wohnen und arbeiten. Viele Unternehmer und Freelancer arbeiten zu einem großen Anteil bereits rein digital und damit ortsunabhängig. Die einzig relevante Voraussetzung in diesem Fall ist ein Arbeitsplatz mit gutem WiFi. Warum noch in einem Büro sitzen – vor allem in der kalten Jahreszeit – anstatt auf der Terrasse bei 25 [...]

      Weiterlesen... →
    • Der Werkzeugschuppen meiner Online-Tools

      Der Werkzeugschuppen meiner Online-Tools

      Lange Listen mit Tools zu bestimmten Funktionen sind ja gut und schön, wirklich nutzen wird man am Ende aber normalerweise nur ein oder vielleicht zwei Tools einer Sorte. Daher will ich heute mal durch den Werkzeugschuppen meiner Online-Tools gehen, die ich immer und immer wieder nutze. Übrigens, das sei bei dieser Gelegenheit auch mal erwähnt: Die Links zu den jeweiligen Tools gestalte ich in diesem Blog hin und wieder als Affiliate-Links. Wenn jemand auf einen solchen Link klickt und später [...]

      Weiterlesen... →
    • Die Fahrplankarte des Online-Marketing

      Die Fahrplankarte des Online-Marketing

      Online-Marketing ist mittlerweile in seinen vielen Methoden, Techniken und Buzzwords derart vielfältig, dass manchmal eine Art Komplett-Überblick gar nicht schlecht wäre. Ein wenig Ordnung ins Chaos brachte kürzlich eine Infografik der britischen Agentur hallam, die alle möglichen Instrumente des Online-Marketing in Form eines U-Bahn-Fahrplans darstellt. “The Digital Marketing Map” haben sie die Karte genannt, und es lohnt sich definitiv, die Karte einmal durchzuforsten. Struktur im Dickicht des Online-Marketing Was in der Infografik vor allem deutlich wird, sind die Zusammenhänge zwischen [...]

      Weiterlesen... →
    • Der Gründer ohne Büro – Ein Interview mit Thomas Jakel von Strandschicht

      Der Gründer ohne Büro – Ein Interview mit Thomas Jakel von Strandschicht

      In meiner Interview-Reihe mit Gründern, die ihre Unternehmen per Bootstrapping hochgezogen haben, gibt uns heute Thomas Jakel Einblicke in seine Gründerstory und seine Arbeit bei Strandschicht und dem Ideacamp. Thomas erklärt, wie Strandschicht konkret als virtuelles Unternehmen funktioniert und wie er es schafft, das Unternehmen zu führen, während er mit dem Fahrrad von Berlin nach Indien unterwegs ist. Dazu gibt er Einblicke, wie Strandschicht seine Kunden gewinnt, und wie  die Macher das Unternehmen ohne fremdes Kapital aufgebaut haben. Außerdem zeigt Thomas [...]

      Weiterlesen... →
    More in Bootstrapping, Bootstrapping & Entrepreneurship, Entrepreneurship, Fachbücher, Lean Startup (6 of 48 articles)