Der Tooltester – Ein Interview mit Robert Brandl
Gelesen wurde Tim Ferriss mit seiner “4-Stunden-Woche“* von ganzen Heerscharen an Gründern und Gründungswilligen. Wirklich umgesetzt haben seine Konzepte allerdings die wenigsten. Einer davon ist Robert Brandl.
Robert hat nach der Lektüre des Bestsellers ein One-Man-Business aufgebaut, so dass er seinen regulären Job aufgeben konnte, und mittlerweile vollkommen ortsunabhängig in Barcelona arbeitet.
Was Robert genau macht, und wie er sein Business führt, erzählt er in diesem Interview.
Hallo Robert, Du betreibst seit einigen Jahren recht erfolgreich das Tooltester-Network. Was für Inhalte und Services bietest Du auf den verschiedenen Seiten Deinen Usern, und wie würdest Du Dein Geschäftsmodell beschreiben?
Angefangen hatte alles mit WebsiteToolTester.com, einer Vergleichsseite für Homepage-Baukästen. Dazu kam es als ich vor mehr als drei Jahren eine eigene simple Website erstellen wollte, für die es sich nicht gelohnt hätte tiefer in die Technik einzusteigen. So stieß ich nach und nach auf Anbieter wie Jimdo, Weebly & Co. und begann meine Recherche-Ergebnisse zu veröffentlichen.
Etwas mehr als ein Jahr später kam dann auch noch eine Vergleichsseite für E-Mail Marketing Tools der Do-It-Yourself Kategorie – EmailToolTester.com – dazu und gerade vor zwei Wochen ging ChatToolTester.com an den Start. Dort vergleiche ich Live Chat Support Tools, mit denen z.B. Online Shop-Betreiber direkt in den Dialog mit Ihren Website-Besuchern treten können. Das alles habe ich inzwischen unter der Dachmarke Tooltester-Network zusammengefasst.
Die Monetarisierung läuft über Partnerprogramme – wenn ein Besucher zum Neukunden wird und vorher meinen Partnerlink geklickt hat, dann erhalte ich eine Provision. Sehr wichtig ist mir, dass die Provisionshöhe nicht das Testergebnis beeinflusst. Auch wenn ich in der Vergangenheit schon recht eindeutige Angebote von bestimmten Herstellern erhalten habe.
Mit den Tooltester-Seiten positionierst Du Dich in ziemlich klar definierten Marktnischen. Nutzt Du eine bestimmte Methode zum Aufspüren der für Dich richtigen Nischen?
Bisher lief das immer gleich ab. Ich habe ein neues Tool entdeckt, das für mich selbst sehr nützlich war. Gleichzeitig konnte ich im Netz kaum Infos oder zumindest keine wirklich seriösen Infos finden. Und schon war die Idee einer neuen Tooltester-Seite geboren.
Wo ich mich von der Konkurrenz unterscheide ist, zumindest nach meinem Eindruck, dass ich mich selbst sehr für Web-Tools interessiere und die Tools äußerst intensiv abklopfe. Ab und zu kann sich ein Test eine ganze Woche oder sogar länger hinziehen.
Was sind für Deine Seiten die wichtigsten Traffic-Quellen?
Die meisten Besucher kommen eindeutig über Google, entsprechend optimiere ich meine Websites auch dafür. Da ich sehr viel mit Screencast-Videos arbeite, kommen auch einige Besucher über YouTube. Der Rest findet über sonstige Verlinkungen, Social Media und Foren zu mir.
Ich halte wenig von Linktausch, -kauf und anderen „halbsauberen“ Methoden, die das Suchmaschinen-Ranking beeinflussen sollen. In den letzten zwei Jahren habe ich einige Websites gesehen, die so zwar rasant aufgestiegen sind, nach diversen Google-Updates aber auch schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurden. Guter Content funktioniert langfristig auf jeden Fall besser.
Was hat Dich zum Gang in die Selbständigkeit bewogen, und wie bist Du dann konkret gestartet?
Den Wunsch selbständig zu sein hatte ich praktisch schon immer. Dass ich letztendlich den Hintern hoch bekam, lag zu großen Teilen an der ”4-Stunden-Woche“* von Tim Ferriss, das mir 2007 zum ersten Mal in die Hände fiel. Dieses Buch hatte wirklich einen großen Einfluss auf mich.
Aufgebaut habe ich meine Website dann noch während meiner Anstellung in der Online Marketing Agentur, bei der ich fast fünf Jahre lang war. Dabei musste ich zwar viele Feierabende und Wochenenden opfern, aber so wusste ich dann nach etwa fünf Monaten, dass die Geschäftsidee Substanz hat.
Ganz einfach war es trotzdem nicht die Festanstellung zu kündigen. Im Nachhinein betrachtet war es aber eine der besten Entscheidungen, die ich jemals getroffen habe.
Du lebst und arbeitest mittlerweile in Barcelona. Was sind für Dich dabei die wichtigsten Voraussetzungen für die ortsunabhängige Arbeit?
Grundsätzlich ist es natürlich essentiell, dass man seine kompletten Geschäfte online abwickeln kann, genauso wie die 4-Stunden Woche das beschreibt. Hätte ich ständig Kunden-Meetings oder müsste ich eng mit Mitarbeitern vor Ort zusammenarbeiten, wäre das natürlich schwierig. Aber ich brauche im Grunde nicht viel mehr als einen ruhigen Ort zum Arbeiten mit stabiler Internetleitung.
Für mich arbeiten noch ein paar Freiberufler (Texter, Grafiker, Übersetzer und ein amerikanischer Sprecher) sowie ein Schüler, den ich als Minijobber angestellt habe. Die Kommunikation läuft über Skype, E-Mail (Google Apps) und oft auch direkt über den Live Chat-Button auf meiner Website. Erreichbar bin ich übrigens über eine deutsche Festnetznummer, die ich mir über Skype geholt habe – das ist wirklich praktisch.
Was man natürlich nicht vergessen darf, ist dass der Partner das ggfs. auch gut finden muss, gerade wenn man für länger ins Ausland will. Zum Glück konnte ich meine Freundin ohne größere Probleme von Barcelona überzeugen
Welche Erfahrungen würdest Du Gründern mit auf den Weg geben, wenn es um das ortsunabhängige Arbeiten im Homeoffice und Coworkingspaces geht?
Ich war hier zu Beginn in einem Coworkingspace, allerdings fand ich es dort relativ laut (Spanier haben einfach eine andere Redelautstärke), weswegen ich jetzt wieder ins Homeoffice gezogen bin. Hier kann ich mich besser konzentrieren und habe auch einen großen Bildschirm, den ich fürs Aufnehmen von Screencasts brauche.
Allerdings lerne ich hier natürlich keine neuen Leute kennen. Deswegen werde ich mich langfristig wohl doch wieder in einen Coworkingspace einmieten – wenn auch nur ab und zu. Ansonsten ist Meetup.com eine tolle Möglichkeit interessante Leute kennenzulernen.
Robert, vielen Dank für die Einblicke in Dein Business!
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15:05
Glückwunsch Robert! Beeindruckend, wie konsequent du diesen Weg gegangen bist. Ich habe das Buch damals auch gelesen und anschliessend Happy Coffee gegründet. Aus Zeitmangel und der Überzeugung eines anderen Projektes (FastBill), habe ich es dann in der ursprünglichen Idee wieder aufgegeben. Deshalb weiß ich, dass es oft leichter aussieht als es ist. Also, großen Respekt und mach weiter so! Und wenn Barcelona mal langweilig wird, kann ich Lissabon empfehlen
18:16
Hi Christian,
danke für die netten Worte! Es hat bei mir auch ca. 2 Jahre gedauert, bis ich die richtige Idee gefunden hatte. Lustigerweise habe ich zu Beginn auch mit dem Thema Kaffee herumexperimentiert (Weasel Coffee aus Vietnam um genau zu sein)
Hätte es damals schon den Jimdo Online Shop gegeben, dann hätte ich das wahrscheinlich sogar weiter verfolgt.
Dass du jetzt deine Energie in Fastbill steckst, kann ich sehr gut verstehen – da steckt schon ziemlich viel Potential drin! Lissabon hatte ich mir auch schon überlegt, aber da hätte ich keine Chance gesehen die Landessprache in absehbarer Zeit zu lernen. Lass mich auf jeden Fall wissen, falls es dich mal nach Barcelona verschlägt!
Grüße,
Robert